Einfach mal mich sein lassen – Kurzgeschichte

Im Rahmen meines Studiums an der Kunstschule Wandsbek in Hamburg, hatte ich im Fach Text und Konzeption die Aufgabe, eine Kurzgeschichte zu einem selbst ausgewählten Thema zu schreiben.

Dafür habe ich mir das Thema Introvertion ausgesucht und eine Kurzgeschichte über den Alltag eines stark introvertierten Schülers geschrieben, der kurz vor seinen Abiprüfungen steht.


Eine Windböe rauschte durch die blühenden ­Bäume vor meinem Zimmerfenster, als ich nachdenklich auf meinem knarzenden Schreibtischstuhl saß. ­Unzählige Seiten voller Zahlen, Fakten und Infos zu den verschiedensten Ereignissen warteten darauf, von mir wie leckere Pasta verschlungen und in die Tiefen des Langzeitgedächtnisses aufgenommen zu werden.

Bis meine Mutter in mein Zimmer kam. >> Ich gehe jetzt einkaufen, Roman. Und fange bitte jetzt endlich mal an, für die Abiturklausuren in einer Woche zu lernen! << Genervt drehte ich ­meine Augen, da ich jegliche Form von Störung gerade nicht gebrauchen konnte und meine Mutter eh nicht wusste, dass ich schon längst angefangen hatte mit dem Lernen.

Ein Tag später war das Wochenende auch schon wieder rum und ich setzte mich wie immer auf den Platz rechts hinten am Fenster, wo keiner sitzen wollte, weil es den meisten dort zu kalt war. Hier konnte ich am ehesten noch Platz zu den anderen Mitmenschen einhalten und wurde nicht so laut mit ihren Antworten und Fragen konfrontiert, die sie so von sich gaben. Wenn dann mal eine Frage kam, die ich beantworten wollte, wurde meine ­Meldung meistens leider nicht wahrgenommen, weil ich so versteckt in der Ecke saß. Hatte eben alles auch ­seine Nachteile.

Dafür bemerkten die Lehrer allerdings auch nicht so schnell, wenn ich mal nicht hinsah und auf der Suche nach Ruhe den Kopf lieber in meinen eigenen Armen und Händen vergrub.

So verstrich dann Stunde für Stunde, in denen ich entweder interessiert zusah oder mich überfordert von all dem Gerede etwas zurückzog. Selbst wenn mal Pause war, war ich der einzige, der lieber in der Klasse blieb, einfach weil dieser Raum mir noch etwas Ruhe bot an diesem sonst so aufgeregten Ort.

Einzige Ausnahme war Manon, wenn er denn mal zur Schule kam. Mit ihm teile ich die ­Auffassung, dass Unterrichtsstunden wahnsinnig anstrengend sein können, dadurch das fast nie jemand still ist. Hin und wieder unterhielt ich mich auch mal mit ihm über alles Weitere, was uns ­beiden so in unserem Alltag auffiel. ­Gerne auch mal etwas tiefsinniger. So ein Tag war ­heute aber nicht. Dementsprechend froh war ich, als die ­Klassenlehrerin uns ein schönen ­Nachmittag wünschte und ich die Schule wieder verlassen ­konnte. 

Zwar war auch immer wieder die ein oder andere interessante Info dabei, richtig lernen würde ich sie aber eh erst, wenn ich mich damit in Ruhe ­beschäftigen konnte.

Zu Hause angekommen, wollten erst mal alle ­meine Familienmitglieder wissen, wie mein ­Schultag war. >> Worum ging es diesmal? Haben sie euch noch was Weitere zum Ablauf der ­Prüfungen erzählt? War der Manon heute da? Hoffentlich geht es ihm gut! << Erzähle ich euch alles später, winkte ich ab und machte mich auf den Weg zu meinem Zimmer.

Dort angekommen sollte es nicht lange dauern, bis meine Mutter wieder hastig die Tür aufriss und besorgt kundtat, dass das Mittagessen kalt werden würde und ich doch bitte nach unten kommen soll. >> Ich habe auch kein Problem, dass Essen kalt zu essen. Ich brauche jetzt einfach gerade meine Ruhe. << Seufzend verließ sie wieder mein Zimmer, in dem Wissen, mich eh nicht überreden zu können, jetzt schon am Essen teilzunehmen.

Ich atmete einmal tief durch und legte mich in mein Bett. Von der Hektik am Küchentisch bekam ich wenig bis gar nichts mit,stattdessen war es einfach nur ruhig und ab und zu sang ein Rotkehlchen seine Melodie. Nach den 5 Stunden voller Gespräche eine willkommene Abwechslung, um Kraft zu tanken für die nächsten Stunden.

Mein Blick wanderte durch das Zimmer. Immer wieder blieb ich an der alten Kommode hängen, die nie aufgeräumt war und gut meine Verfassung beschrieb, wenn ich mit vielen Menschen gleichzeitig konfrontiert wurde. Gleichzeitig lagerten dort auch viele Erinnerungen an abgebrochene Freundschaften, die an fehlendem Verständnis für meine Art scheiterten. In der Vergangenheit gab es ein paar Menschen, die ein Problem damit hatten, dass ich nicht so viel redete und etwas verschwiegen war. Irgendwann entschied ich mich dann, lieber den Kontakt zu ihnen ganz abzubrechen. Seitdem liegen die Nachrichten und Briefe aus der Zeit wie ein Mahnmal ausgebreitet in der Kommode.

Passend zu diesem schwierigen Teil meiner Jugend veränderte sich die Stimmung draußen und Wolken zogen auf. Da mein Hunger nun auch immer größer wurde, machte ich mich auf den Weg nach unten. Denn später wollte ich ja auch noch weitermachen mit den Vorbereitungen für die Abiklausuren. Schließlich will ich in ein paar Tagen auch gut vorbereitet die Prüfungen beginnen.


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